Süßigkeiten für Kinder, Wasser für uns — ein Laden in Buhoma
Der Laden ist vielleicht zwanzig Quadratmeter groß. Eine Holztür mit einfachem Metallgitter — leichter Einbruchsschutz, mehr nicht. Im Inneren: Regale bis unter die Decke, Waschmittel, Konserven, abgepackte Kekse, Plastikflaschen. Alles ordentlich. Alles an seinem Platz. Draußen warten die Kinder.
Es war Januar 2026, als wir diesen Laden in Buhoma betraten. Die Inhaberin — Emily Assimwe, Store Ownerin aus Buhoma — stand hinter dem Tresen und begrüßte uns ohne Aufheben. Kein Zögern, kein Schaufenster-Lächeln. Einfach Alltag. Wir kauften Süßigkeiten für die Kinder, die draußen warteten, und Wasser für uns.
Die meisten dieser kleinen Läden in Buhoma werden von Frauen geführt. Das ist kein Zufall. Frauen sind hier oft die wirtschaftliche Konstante einer Familie — sie managen das Geld, die Ware, die Kundenbeziehungen. Ein Laden wie dieser ist kein Überlebensversuch. Er ist Unternehmertum.
[BILD: Kleiner Laden in Buhoma: Alltägliches Geschäftsleben]
Benzin aus der Cola-Flasche
Ich saß auf dem Gepäckträger, unser BodaBoda-Fahrer vorne. Irgendwo auf einer Landstraße in Uganda, Oktober 2024. Der Fahrer verlangsamte, hielt am Straßenrand an — nicht an einer Tankstelle, sondern vor einem kleinen Store.
Wir verließen das Motorrad nicht einmal. Die Frau, die den Laden führte, kam mit einer Cola-Flasche heraus. Der Verschluss ab, Benzin in den Tank. Zahlung in ugandischen Shilling. Fertig. Weiter.
Von hinten habe ich diesen Moment fotografiert. Das Bild wirkt banal — und ist es auch. Es ist Alltag. Kein Notfall, keine Improvisation. Benzin in Cola-Flaschen abzufüllen und am Straßenrand zu verkaufen ist hier eine vollkommen normale Dienstleistung. Der informelle Sektor funktioniert, weil er pragmatisch ist. Weil er da ist, wo er gebraucht wird, ohne Vorlaufzeit, ohne Infrastruktur vorauszusetzen.
Die ugandischen Shilling, die unser Fahrer bezahlte, gingen direkt an diese Frau. Kein Franchisegeber, kein Konzern dazwischen. Geld, das bleibt.
[BILD: Alltag auf dem BodaBoda: Tanken am Straßenrand in Uganda]
Pose für die Kamera — Würde im Sandplatz
Im Waisenhaus von Nicholas, direkt in Buhoma, gibt es einen Sandplatz vor dem Gebäude. Kein Spielgerät, keine Bepflanzung — Sand, ein paar Steine, die Umgebung. Und trotzdem: Wenn eine Kamera auftaucht, passiert etwas.
Zwei Jugendliche standen da und posiert. Bewusst. Mit Haltung. Einer lehnte lässig, der andere schaute direkt in die Linse. Sie wussten genau, was sie taten. Smartphones sind in Buhoma selten — die meisten Kinder und Jugendlichen haben keines. Eine Kamera ist kein Alltag. Und genau deshalb wird der Moment genutzt.
Prosper, ein erfahrener Tour Guide aus Buhoma, erklärt das so: Diese Begegnungen sind wichtig — für Touristen, die verstehen wollen, wer hier lebt. Und für die Jugendlichen, die zeigen wollen, wer sie sind. Es ist kein Schauspiel. Es ist Kontakt.
[BILD: Jugendliche in Buhoma: Moment vor der Kamera]
Zehn Jahre alt. Arbeit am Straßenrand.
Wir entdeckten ihn am Rand der Straße in Buhoma — ein Junge, zehn Jahre alt. Er zerkleinerte Kieselsteine. Konzentriert, gleichmäßig. Stein für Stein. Diese kleinen Kiesel werden als Fundament für Häuser genutzt — das ist keine Ausnahme, das ist handwerkliche Normalität. Auch Erwachsene machen diese Arbeit. Es ist landestypisch.
Trotzdem bleibt der Anblick. Nicht weil er erschreckend wäre — sondern weil er die Frage aufwirft: Was würde es für diese Familie bedeuten, wenn der wirtschaftliche Druck geringer wäre? Wenn ein stabiles Familieneinkommen möglich wäre?
Genau hier setzt die Idee hinter der HopeKitchen an. Nicht als Rettung, nicht als Eingriff in etwas, das nicht kaputt ist. Sondern als Entlastung. Eine Mahlzeit am Tag bedeutet, dass eine Familie an diesem Tag etwas weniger aufwenden muss. Und manchmal ist das genug, damit ein Kind zur Schule gehen kann statt am Straßenrand.
[BILD: Zehn Jahre alte Arbeiter in Buhoma – Kieselsteine für Häuser]
Das blaue Dach — was in Buhoma entsteht
Der Rohbau steht. Das Dach ist fertig — blaue Blechplatten, die man schon von weitem sieht. Als ich das erste Mal davor stand, war dieser Gedanke der erste: Es ist real. Es schützt. Es hält Regen.
Zuletzt habe ich drinnen gestanden — im Raum, der bald Ess- und Aufenthaltsraum für die Kinder sein wird. Die Wände zur Küche und zum Lagerraum sind bereits verputzt. Glatter Putz, gerade Kanten. Jemand hat hier sorgfältig gearbeitet. Ich stellte mir vor, wie es aussehen wird: Tische, Kinder, Hausaufgaben, Lachen.
Dieser Raum ist der Grund, warum wir immer wieder nach Buhoma kommen.
[BILD: HopeKitchen Rohbau mit fertigem Blechdach in Buhoma]
[BILD: HopeKitchen Innenausbau: Verputzte Wände für Kinderraum]
Das Gesundheitszentrum in Muyembe — ehrlich gesagt
Es ist schon bitter zu sehen, wie einfach das alles ist. Ein kleiner Vorraum. Ein Hinterzimmer mit einem Bett. Ein Arzt, der das Zentrum in Muyembe betreut — aber nicht immer da ist, sonst unregelmäßig.
Susanne stand neben ihm für ein Foto — ein kurzer Moment, ein Austausch. Was dieser Arzt mit dem macht, was er hat, ist bemerkenswert. Keine Ausrede, kein Aufgeben. Er arbeitet mit dem, was da ist.
Die Dorfbewohner wollen ausbauen. Sie wissen genau, was fehlt und was es braucht. Sie haben einen Plan. Was sie brauchen, ist eine Spende. Das ist nicht Schwäche — das ist eine klare Ansage: Wir wissen, was wir wollen. Helft uns.
[BILD: Arzt und Besucherin im ländlichen Gesundheitszentrum]
Unterstütze die Arbeit vor Ort
Du willst die Arbeit in Buhoma unterstützen?
Die HopeKitchen in Buhoma ist fast fertig. Bald werden hier täglich Kinder essen, Hausaufgaben machen und einen sicheren Ort haben. Jede Unterstützung zählt — direkt, ohne Umwege.
Häufige Fragen
Was ist Community-Tourismus in Uganda?
Community-Tourismus bedeutet, dass lokale Gemeinschaften direkt vom Tourismus profitieren — durch Guides aus dem Ort, Übernachtungen in lokalen Unterkünften, Einkaufen bei lokalen Händlern, Essen bei lokalen Anbietern. Das Geld fließt nicht in externe Unternehmensstrukturen, sondern bleibt dort, wo die Menschen leben.
Wie kann ich als Reisender die lokale Wirtschaft in Uganda unterstützen?
Indem du kleine Läden statt Hotelshops nutzt, auf lokalen Märkten einkaufst, bei Garküchen isst statt im Hotelrestaurant und BodaBoda-Fahrer für kurze Strecken buchst. Jeder Betrag, der direkt an eine Person geht, ist Investition in ein Familieneinkommen.
Was macht Hope on the road in Buhoma konkret?
Hope on the road baut in Buhoma die HopeKitchen — einen Ort, an dem Kinder täglich eine Mahlzeit bekommen, Hausaufgaben machen und spielen können. Der Rohbau steht, das Dach ist fertig. Baumaterial und Handwerker kommen aus der lokalen Gemeinschaft. Wenn die Küche in Betrieb geht, werden Zutaten auf dem Markt in Buhoma eingekauft.
Wie finanziert sich die HopeKitchen?
Ausschließlich durch private Spenden — über die Website von Hope on the road. Es gibt keine institutionelle Förderung und keine großen Geldgeber im Hintergrund. Jede Spende fließt direkt in den Bau und Betrieb der HopeKitchen in Buhoma.
Quellen & Hintergrund
- Eigene Besuche vor Ort: Mark Suer, Oktober 2024, Januar 2026, April/Mai/Juni 2026
- Hintergrundinformationen zu ugandischen Lebensmitteln: uganda.de — Speisen und Getränke in Uganda
- [RECHERCHE NOETIG: aktueller Anteil informeller Sektor Uganda Wirtschaft]
