Story · Waisenhaus Buhoma · Uganda

Lebensfreude trotz allem: Was uns die Kinder im Waisenhaus Buhoma gelehrt haben

Buhoma im Kanungu-Distrikt, Uganda. Während eines 9-tägigen Aufenthalts im Januar 2026 waren wir fast täglich im Waisenhaus von Nicholus und Media. Diese Story erzählt, was wir dort gesehen und gespürt haben — ohne Beschönigung, ohne Dramatisierung.

22. Juni 2026·Von Mark Suer

Ankunft in Buhoma

Der rote Staubweg zieht sich durch eine Berglandschaft, die grüner ist, als man es sich vorstellt. Bananenstauden, Eukalyptus, Nebel an den Hängen. Und dann Buhoma — kein Ort, den man übersieht, aber auch keiner, zu dem es viele Verbindungen gibt. Das Motorrad ist eine davon. Das wichtigste, was ein BodaBoda hier tut: es verbindet.

Wir kamen im Januar 2026 an. Zwei Männer befestigten unseren Koffer auf dem Gepäckträger, der blaue Reisekoffer auf dem roten Staubweg — ein Bild, das mehr über Buhoma sagt als jede Beschreibung. Das Motorrad ist Taxi, Lastenträger, Ambulanz und Versorgungslinie in einem. Wer hier ankommen will, kommt auf zwei Rädern.

[BILD: Gepäck aufs Motorrad – Ankunft in Buhoma]

Ankunft in Buhoma, Januar 2026 — ein Motorrad verbindet das Dorf mit der Außenwelt. Foto: Mark Suer

Das Waisenhaus von Nicholus und Media

Der Innenhof des Waisenhauses ist ein einfacher Platz. Erde, etwas Schatten, die Gebäude ringsum. An einer Wand steht der Regenwassertank — groß, dunkel, still. Er ist das Zentrum des Hauses. Nicht im übertragenen Sinne. Buchstäblich: Hier hängt alles dran.

Fließendes Wasser gibt es im Waisenhaus nicht. Was der Tank sammelt, ist alles. Wenn er voll ist, geht es. Wenn er knapp wird, wird abgeteilt. Morgens um zehn Uhr ein Becher Regenwasser. Nachmittags um sechzehn Uhr noch einer. Das ist keine Ausnahme, kein Notfall — das ist der Rhythmus des Hauses, wenn die Vorräte nicht reichen.

Ich will das nicht dramatisieren. Aber ich will es auch nicht weglassen. Wir drehen zuhause den Hahn auf, ohne darüber nachzudenken. Hier überlegt jemand, ob ein Becher reicht.

Und trotzdem: Die Kinder. Neugierig, zugewandt, laut, lebendig. Das Wort Lebensfreude klingt schnell nach Klischee — aber es trifft es. Nicht weil das Leben hier leicht wäre. Sondern weil diese Kinder trotzdem vollständig da sind.

[BILD: Kinder im Waisenhaus Buhoma – Lebensfreude und Zusammenhalt]

Kinder im Waisenhaus von Nicholus und Media in Buhoma, Januar 2026. Im Hintergrund der Regenwassertank. Foto: Mark Suer

[BILD: Sechs Kinder in Buhoma strahlen voller Lebensfreude]

Sechs Kinder im Innenhof des Waisenhauses, Januar 2026. Foto: Mark Suer

Netball — Begegnung auf Augenhöhe

Es gab einen Tag, an dem wir Netball gespielt haben. Nicht als Zuschauer, nicht als Besucher mit Kamera — wir haben mitgespielt. Die Kinder verteilten Positions-Bibs: WA, GD, GA, GK. Das war kein Showprogramm für uns. Das war ein echtes Spiel, und wir waren zwei zusätzliche Spielerinnen und Spieler, die man irgendwo unterbringen musste.

Was in solchen Momenten passiert, lässt sich schlecht beschreiben. Die Rollen verschieben sich. Du bist nicht mehr derjenige, der kommt und beobachtet. Du bist jemand, der zu langsam ist, den falschen Pass gibt, von einem Zehnjährigen korrigiert wird. Das ist gut so.

[BILD: Netball-Tag im Waisenhaus Buhoma – Begegnung auf Augenhöhe]

Netball im Waisenhaus Buhoma, Januar 2026. Foto: Mark Suer

Die Kleiderspende — ein stiller Moment

Wir hatten Kleidung mitgebracht. Keine große Aktion, kein Ereignis. Jemand kommt, jemand bringt etwas. Die Kinder schauten zu. Manche griffen sofort zu, manche warteten. Es war ruhig dabei. Keine Jubelszene, kein Fotomoment, den man inszenieren würde.

Ich schreibe das, weil solche Momente oft zu groß gemacht werden — von beiden Seiten. Es war ein kleines Ding. Trotzdem war es real.

[BILD: Kleiderspende im Waisenhaus Buhoma – ein stiller Moment]

Kleiderspende im Waisenhaus Buhoma, Januar 2026. Foto: Mark Suer

Roger — der 10-jährige Steineklopfer

Auf einem Dorfspaziergang entdeckten wir ihn am Straßenrand. Roger, ungefähr zehn Jahre alt, saß auf einem Steinberg und zerklopfte Steine. Gleichmäßig, konzentriert. Die kleinen Steine dienen als Fundament für Häuserbauten — das ist hier handwerkliche Normalität, keine Seltenheit.

Roger war aufgeschlossen. Jedes Mal, wenn wir ihn im Dorf sahen, kam er direkt auf uns zugelaufen. Er schien das mit der Arbeit nicht groß zu stören.

Das macht es aus unserer Sicht aber nicht besser. Kinder gewöhnen sich an das, was ist. Das heißt nicht, dass es so sein muss. Roger geht nicht zur Schule — die Familie kann es sich nicht leisten. Er ist zehn Jahre alt.

Genau deshalb braucht es in Buhoma Projekte, die Familien wirtschaftliche Stabilität geben. Die HopeFamily-Patenschaften setzen genau dort an: Nicht als Almosen, sondern als Entlastung, die einem Kind Spielraum zurückgibt — Zeit für Schule statt Steine.

[BILD: Junger Steineklopfer in Buhoma arbeitet konzentriert]

Roger, ca. 10 Jahre, am Straßenrand in Buhoma, Januar 2026. Foto: Mark Suer

Kinder im Kreis — Gemeinschaft

Es gibt Momente, die sich nicht erklären, nur zeigen. Die Kinder trugen rote T-Shirts mit dem Aufdruck "Advocacy for Children". Sie saßen oder standen im Kreis — kein Anlass, kein Programm. Einfach Zusammensein.

In solchen Momenten versteht man, was Gemeinschaft hier bedeutet. Nicht als abstrakter Begriff, sondern als täglich gelebte Realität. Diese Kinder haben wenig, aber sie haben einander.

[BILD: Kinder im Kreis – Gemeinschaft im Waisenhaus Buhoma]

Kinder im Waisenhaus Buhoma, Januar 2026. Foto: Mark Suer

Kinder spielen und tanzen — Alltag ist auch das

Zum Schluss dieses: Ein Junge im Boston-Celtics-Trikot. Kinder, die tanzen. Energie, Lärm, Lachen. Keiner wartet auf Erlaubnis oder Anlass. Das ist Alltag, und Alltag ist auch das — nicht nur die schwierigen Momente, nicht nur die stillen.

Wir sind immer wieder nach Buhoma gefahren, weil beides wahr ist: das Schwere und das Lebendige. Wer nur das eine sieht, versteht den Ort nicht.

[BILD: Kinder spielen und tanzen im Waisenhaus Buhoma]

Kinder und Jugendliche im Waisenhaus Buhoma, Januar 2026. Foto: Mark Suer

HopeFamily · Patenschaften

Roger geht nicht zur Schule. Das kann sich ändern.

Mit einer HopeFamily-Patenschaft unterstützt du Familien in Buhoma direkt — damit Kinder zur Schule gehen können statt arbeiten zu müssen. Kein Umweg, kein Verwaltungsapparat. Deine Unterstützung landet dort, wo sie gebraucht wird.

Häufige Fragen

Was ist das Waisenhaus in Buhoma?

Das Waisenhaus in Buhoma wird von Nicholus und Media geführt und beherbergt Kinder, die keine Eltern mehr haben oder aus anderen Gründen nicht bei ihrer Familie leben können. Es liegt im Kanungu-Distrikt in Uganda, nahe dem Bwindi-Impenetrable-Forest. Das Haus ist schlicht ausgestattet — es gibt keinen Stromanschluss für alle Bereiche, kein fließendes Wasser. Regenwasser wird in einem Tank gesammelt und sorgfältig eingeteilt.

Wie ist die Wasserversorgung in ländlichen Regionen Ugandas?

In ländlichen Gebieten Ugandas haben weite Teile der Bevölkerung keinen verlässlichen Zugang zu sauberem fließendem Wasser. Viele Haushalte sind auf Regenwassertanks, Brunnen oder Quellen angewiesen — Quellen, die saisonal schwanken oder weite Wege erfordern. Im Waisenhaus in Buhoma ist Regenwasser die Hauptquelle. Wenn der Vorrat knapp ist, wird das Wasser rationiert.

Wie hilft Hope on the road den Kindern in Buhoma konkret?

Hope on the road arbeitet in Buhoma an mehreren Projekten: Die HopeKitchen soll Kindern täglich eine Mahlzeit ermöglichen — und damit Familien ein Stück wirtschaftliche Entlastung bringen. Das HopeFamily-Patenschaftsprogramm unterstützt Familien direkt, damit Kinder zur Schule gehen können statt arbeiten zu müssen. Beide Projekte entstehen mit und für die lokale Gemeinschaft.

Was bedeutet eine Patenschaft bei Hope on the road?

Eine HopeFamily-Patenschaft bedeutet, dass du eine Familie in Buhoma regelmäßig unterstützt — direkt, ohne Umwege über große Organisationen. Das Geld fließt in konkrete Alltagsentlastung: Schulgebühren, Grundversorgung, Stabilität. Du erfährst, wen du unterstützt, und kannst den Kontakt halten. Keine Anonymität, keine abstrakten Projekte.

Quellen & Hintergrund

  • Eigene Besuche vor Ort: Mark Suer, Januar 2026 (9 Tage), Oktober 2024, April/Mai/Juni 2026
  • [RECHERCHE NOETIG: Anteil der Kinder ohne Schulzugang in ländlichem Uganda — Quelle UBOS]
  • [RECHERCHE NOETIG: Wasserversorgungsrate ländliches Uganda — Quelle WHO/UBOS]
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