Die kurze Antwort
Notunterkünfte sind kommunale Unterbringungen für unfreiwillig obdachlose Menschen – ein Angebot, zu dem Kommunen gesetzlich verpflichtet sind, das aber ursprünglich nur als kurzfristige Überbrückung gedacht war.
Warum ist das so?
Kommunen in Deutschland müssen unfreiwillig obdachlosen Menschen eine Notunterkunft anbieten – doch aus einer kurzfristigen Lösung wird für viele ein jahrelanger Alltag mit engem Wohnraum und wenig Privatsphäre.
Was ist eine Notunterkunft und wer hat Anspruch darauf?
Mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland sind wohnungslos. Sie leben auf der Straße, bei Freund*innen auf dem Sofa oder in Notunterkünften. Die Kommunen sind verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten. Notunterkünfte sind eigentlich als kurzfristige Überbrückung einer akuten Notsituation gedacht. In der Praxis sieht das jedoch anders aus: Die meisten wohnungslosen Menschen leben monate- und jahrelang in Unterkünften, die für einen deutlich kürzeren Aufenthalt konzipiert wurden. Einen Überblick über das Ausmaß der Wohnungslosigkeit in Deutschland gibt der Beitrag Über eine Million Menschen ohne Wohnung. In Deutschland. Jetzt.. Mehr zu den Ursachen erfahren Sie im Beitrag Was sind die Hauptursachen für Obdachlosigkeit in Deutschland?.
Wie sieht der Alltag in einer Notunterkunft aus?
Notunterkünfte in Deutschland sind mit festen Regeln und Zeiten organisiert. Für manche Menschen fühlt sich dieses Umfeld bedrohlich an. Die Situation in den Kommunen kann dabei sehr unterschiedlich aussehen, aber generell leben die Menschen überwiegend auf engstem Raum, häufig in Mehrbettzimmern. Gemeinsam genutzte Küchen, Duschen oder Toiletten sind oft verschmutzt. Es fehlt vielerorts an abschließbaren Schränken, in denen Eigentum sicher verwahrt werden kann. Konflikte und Lärm prägen den Alltag in den Unterkünften – das führt zu einem Klima der Unsicherheit und Angst für die Menschen, die dort leben müssen. Besonders belastend sind solche Situationen für Kinder, Frauen mit Gewalterfahrungen oder Menschen mit psychischen Erkrankungen. Organisationen wie Hope on the road setzen sich für Menschen in solchen Situationen ein – mehr dazu im Beitrag Nicht weit weg. Vor unserer Tür..
Welche Rechte haben Menschen in Notunterkünften?
Auch in einer Notunterkunft muss die im Grundgesetz verbriefte Würde des Einzelnen geschützt sein. Eine Unterkunft muss ausreichend Platz und ein Minimum an Einrichtungsgegenständen bieten, regelmäßig gereinigt werden, und es darf keine Gesundheitsgefährdung von ihr ausgehen, etwa durch Schimmelbefall. Menschen in Notunterkünften haben zudem einen Rechtsanspruch auf Unterstützung, etwa bei der Wohnungssuche. Allerdings ist der Zugang zum Recht für wohnungslose Menschen stark erschwert: Es gibt zu wenig Rechtsberatung, und Verfahren sind komplex und hochschwellig. Trotzdem beschreiten manche Betroffene den Rechtsweg, um ihre Ansprüche durchzusetzen.
Kinder in Notunterkünften
Mehr als ein Viertel der in Notunterkünften untergebrachten wohnungslosen Menschen sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Für sie gelten zusätzliche Anforderungen: Sind Kinder mit untergebracht, müssen Möglichkeiten für Spiel und Freizeitgestaltung vorhanden sein. Die beengten, oft konfliktreichen Lebensbedingungen in Notunterkünften treffen Kinder besonders hart. Ihre Situation gilt neben der von Frauen mit Gewalterfahrungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen als eine der prekärsten innerhalb der Notunterbringung.
Wie lange leben Menschen in Notunterkünften – und wie viele sind betroffen?
Die Hälfte der Menschen bleibt zwei Jahre und länger in Notunterkünften – obwohl diese Unterkünfte eigentlich für eine kurzfristige Überbrückung gedacht sind. Anfang 2024 wurden zusätzlich 47.300 Menschen erfasst, die auf der Straße leben, aber nicht in der Statistik der Notunterkünfte enthalten sind. Die tatsächliche Anzahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland ist damit deutlich höher als die Zahl der Personen, die offiziell in Notunterkünften registriert sind. Einen umfassenden Überblick zur aktuellen Lage bietet der Beitrag Warum gibt es in Deutschland so viele Obdachlose?. Wer sich engagieren möchte, findet praktische Anregungen unter Wie kann ich Obdachlosen konkret helfen?.
Betroffene Gruppen und Verteilung
Mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland sind wohnungslos. Ein Teil von ihnen lebt in Notunterkünften, andere auf der Straße oder vorübergehend bei Freund*innen und Familie. Anfang 2024 wurden zusätzlich zu den in Notunterkünften untergebrachten Personen 47.300 Menschen erfasst, die auf der Straße leben. Diese Gruppe taucht in der offiziellen Notunterkunfts-Statistik nicht auf. Weitere 60.400 Menschen galten als verdeckt wohnungslos, kamen also vorübergehend bei Bekannten oder der Familie unter. Die tatsächliche Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland liegt damit deutlich höher als die Zahl der Personen, die offiziell in Notunterkünften gezählt werden. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche: Mehr als ein Viertel der Menschen in Notunterkünften ist unter 18 Jahre alt. Sie befinden sich in einer besonders prekären Situation, da beengte Wohnverhältnisse, fehlende Rückzugsräume und ein instabiles Lebensumfeld ihre Entwicklung zusätzlich belasten können.
Rechte in der Notunterkunft
Die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten. Wie diese Pflicht konkret umgesetzt wird, unterscheidet sich von Kommune zu Kommune erheblich – sowohl bei der Ausstattung der Unterkünfte als auch bei der Dauer und Art der Unterstützung. Für die Unterbringung gelten grundlegende Mindeststandards: Eine Notunterkunft muss ausreichend Platz und ein Minimum an Einrichtungsgegenständen bieten, regelmäßig gereinigt werden und darf keine Gesundheitsgefährdung darstellen, etwa durch Schimmelbefall. Sind Kinder mit untergebracht, müssen Möglichkeiten für Spiel und Freizeitgestaltung vorhanden sein. Menschen in Notunterkünften haben zudem einen Rechtsanspruch auf Unterstützung, etwa bei der Wohnungssuche. Der Zugang zum Recht ist für wohnungslose Menschen allerdings erschwert: Es gibt zu wenig Rechtsberatung, und Verfahren sind komplex und hochschwellig. Dennoch beschreiten einige Betroffene den Rechtsweg, um ihre Ansprüche durchzusetzen.
Alltag in der Notunterkunft: Wie lange bleiben Menschen dort?
Notunterkünfte sind ursprünglich als kurzfristige Lösung für akute Notsituationen konzipiert. In der Praxis sieht das jedoch häufig anders aus: Die Hälfte der Menschen bleibt zwei Jahre und länger in einer Notunterkunft, bevor sie wieder eigenen Wohnraum findet. Der Alltag in den Unterkünften ist geprägt von festen Regeln und Zeitvorgaben. Für viele Bewohner*innen kommen Konflikte und Lärm hinzu, die das Zusammenleben auf engem Raum erschweren. Das Umfeld kann sich dadurch für manche Menschen bedrohlich anfühlen, was zusätzlichen psychischen Druck erzeugt – gerade für Familien mit Kindern oder Menschen mit besonderen Schutzbedürfnissen. Wie lange der Aufenthalt in der Notunterkunft dauert, hängt stark von der Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums vor Ort sowie von der Unterstützung bei der Wohnungssuche ab.
Alltag in der Notunterkunft
Notunterkünfte sind eigentlich als kurzfristige Überbrückung einer akuten Notsituation gedacht. In der Realität leben die meisten wohnungslosen Menschen jedoch monate- und jahrelang dort. Die Hälfte der Menschen bleibt zwei Jahre und länger in einer Notunterkunft. Der Alltag ist für viele Betroffene belastend: Konflikte und Lärm prägen das Zusammenleben auf engem Raum. Das erschwert Rückzug, Ruhe und die Suche nach einer eigenen Wohnung zusätzlich. Besonders prekär ist die Lage für Familien mit Kindern. Mehr als ein Viertel der Menschen in Notunterkünften sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Für sie gelten besondere Anforderungen an die Unterbringung, etwa ausreichend Raum für Spiel und Freizeit – in der Praxis ist das nicht immer gewährleistet.
- 47.300 — So viele Menschen wurden Anfang 2024 als obdachlos auf der Straße lebend erfasst – zusätzlich zu den Personen in Notunterkünften.
- >25% — Mehr als ein Viertel der Menschen in Notunterkünften sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
- 2 Jahre — So lange oder länger bleibt die Hälfte der wohnungslosen Menschen in einer Notunterkunft – obwohl diese eigentlich für kurzfristige Überbrückung gedacht ist.
- Rechtspflicht — Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten.
- Würde — Die im Grundgesetz verbriefte Würde des Einzelnen muss auch in Notunterkünften geschützt sein.
- 47.300 — So viele Menschen lebten Anfang 2024 auf der Straße – sie tauchen in der offiziellen Notunterkunfts-Statistik nicht auf, die tatsächliche Zahl wohnungsloser Menschen liegt also deutlich höher.
- 25 %+ — Mehr als ein Viertel der Menschen in Notunterkünften sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren – sie befinden sich laut Institut für Menschenrechte in besonders prekären Situationen.
- 2 Jahre+ — So lange bleibt die Hälfte der Betroffenen in einer Notunterkunft – obwohl diese eigentlich für eine kurzfristige Überbrückung gedacht ist.
- 60.400 — So viele Menschen lebten Anfang 2024 verdeckt wohnungslos, also vorübergehend bei Familie oder Bekannten – auch sie fehlen in der offiziellen Statistik.
- Rechtsanspruch — Kommunen sind verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten – wie diese Pflicht umgesetzt wird, ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich.
- 47.300 — So viele Menschen lebten Anfang 2024 auf der Straße. Sie tauchen nicht in der offiziellen Notunterkunfts-Statistik auf.
- 60.400 — So viele Menschen waren Anfang 2024 verdeckt wohnungslos, kamen also vorübergehend bei Familie oder Bekannten unter – auch sie fehlen in der Notunterkunfts-Statistik.
- >25 % — Mehr als ein Viertel der Menschen in Notunterkünften sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (128.205 Personen, Stand 2024).
- 2 Jahre — Die Hälfte der Menschen in Notunterkünften bleibt zwei Jahre oder länger dort – obwohl die Unterbringung eigentlich nur kurzfristig gedacht ist.
- Pflicht — Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten.
Kurz erklärt
Zum Hintergrund
47.300 — So viele Menschen wurden Anfang 2024 als obdachlos auf der Straße lebend erfasst – zusätzlich zu den Personen in Notunterkünften.
Wie Hope on the road hilft
Hope on the road arbeitet in Uganda und in Hamburg — mit festen Programmen statt Einzelaktionen.
Häufige Fragen
Muss jede Kommune eine Notunterkunft bereitstellen?
Ja, Kommunen sind in Deutschland gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten. Wie diese Verpflichtung konkret umgesetzt wird, kann sich von Kommune zu Kommune deutlich unterscheiden.
Wie lange dürfen Menschen in einer Notunterkunft bleiben?
Notunterkünfte sind eigentlich für eine kurzfristige Überbrückung gedacht. In der Praxis bleibt jedoch die Hälfte der Menschen zwei Jahre oder länger dort.
Welche Mindeststandards muss eine Notunterkunft erfüllen?
Eine Notunterkunft muss ausreichend Platz und eine Mindestausstattung bieten, regelmäßig gereinigt werden und darf keine Gesundheitsgefährdung wie etwa Schimmelbefall aufweisen. Sind Kinder untergebracht, müssen zusätzlich Möglichkeiten für Spiel und Freizeitgestaltung vorhanden sein.
Wie viele Kinder leben in Notunterkünften?
Mehr als ein Viertel der Menschen, die in Notunterkünften untergebracht sind, sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.
Gibt es eine spezielle Notunterkunft in Wilhelmshaven?
Für Wilhelmshaven liegen aktuell keine gesonderten, belastbaren Informationen zu einzelnen Notunterkünften vor. Unabhängig vom Wohnort gilt jedoch: Jede Kommune in Deutschland ist verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Menschen eine Notunterkunft anzubieten. Wer akut wohnungslos ist, kann sich an das örtliche Sozialamt oder Ordnungsamt wenden – diese Stellen sind für die Vermittlung in eine Notunterkunft zuständig.
Wie lange muss ich in einer Notunterkunft bleiben?
Notunterkünfte sind eigentlich für eine kurzfristige Überbrückung gedacht. In der Realität bleibt jedoch die Hälfte der Betroffenen zwei Jahre oder länger dort, oft weil bezahlbarer Wohnraum fehlt oder die Unterstützung bei der Wohnungssuche nicht ausreicht.
Muss die Kommune mir eine Notunterkunft anbieten?
Ja. Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten. Wie diese Pflicht konkret umgesetzt wird, kann sich von Kommune zu Kommune jedoch deutlich unterscheiden.
Muss meine Kommune mir eine Notunterkunft anbieten?
Ja. Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten. Wie diese Unterbringung konkret aussieht, kann von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein.
Wie lange bleiben Menschen üblicherweise in einer Notunterkunft?
Notunterkünfte sind als kurzfristige Lösung gedacht, in der Praxis bleibt aber die Hälfte der Betroffenen zwei Jahre oder länger dort.
Welche Rechte habe ich in einer Notunterkunft?
Die Würde des Einzelnen muss auch in einer Notunterkunft geschützt sein. Das bedeutet unter anderem ausreichend Platz, notwendige Einrichtung, regelmäßige Reinigung, keine Gesundheitsgefährdung und bei Kindern Möglichkeiten für Spiel und Freizeit. Außerdem besteht ein Rechtsanspruch auf Unterstützung, etwa bei der Wohnungssuche.
Wie viele Menschen in Deutschland sind von Notunterkünften betroffen, und wie viele fallen durch das Raster der Statistik?
Mehr als ein Viertel der Menschen in Notunterkünften sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Zusätzlich lebten Anfang 2024 rund 47.300 Menschen auf der Straße und 60.400 Menschen verdeckt wohnungslos – beide Gruppen erscheinen in keiner offiziellen Notunterkunfts-Statistik.
