Ich hatte ein Leben

Geschichte · Hamburg · auf dem Weg zurück

„Ich war 22 Jahre Elektriker."

Guido, 54. Ein Bandscheibenvorfall hat sein Leben verändert. Was danach kam, hat er nicht mehr alleine aufgefangen.

Guido, 54, Hamburg — Ich hatte ein Leben. Foto: Hope on the road, Juni 2026.

Vorher

Elektriker. Vater. Fußballfan.

Guido ist in Hamburg-Harburg aufgewachsen. Mit 18 hat er eine Ausbildung zum Elektriker angefangen — "weil man damit immer Arbeit hat", sagt er. 22 Jahre lang hat er das gemacht. Baustellen, Industrieanlagen, manchmal auch Privatkunden. Er war gut darin.

In seiner Freizeit: HSV-Spiele, grillen mit Nachbarn, ab und zu angeln. Seine Tochter Lena ist 2003 geboren. Die Jahre mit ihr in der Wohnung in Harburg beschreibt er als die beste Zeit seines Lebens.

„Ich hatte eine Wohnung, einen Job, eine Tochter. Was will man mehr?"

Guido, 54

Was passiert ist

Ein Bandscheibenvorfall. Dann alles auf einmal.

2019 — Guido ist auf einer Baustelle in Stellingen gestürzt. Bandscheibenvorfall, Lendenwirbel. Drei Monate Krankschreibung, dann Reha. Zurück zur Arbeit war er nie wirklich fähig. Die Schmerzen blieben, der Job ging weg.

Was danach kam, passiert schneller als man denkt: Bürgergeld, Mietschulden, ein Vermieter der nicht warten wollte. 2021 verlor er die Wohnung. Lena war da 18, hatte gerade ihr Abitur gemacht. Sie konnte nicht helfen — und das hat sie, sagt Guido, bis heute nicht losgelassen.

19

2019

Arbeitsunfall auf Baustelle — Bandscheibenvorfall

20

2020

Kündigung nach langer Krankheit

21

2021

Wohnungsverlust nach Mietschulden

22

2022

Erste Nacht auf der Straße

23

2023

Kontakt zu Zwischenstopp Straße

24

2024

Übergangswohnung — ersten Schritt zurück

Guidos Geschichte im Video

Heute

Eine Übergangswohnung. Und wieder ein Rhythmus.

Seit Anfang 2024 hat Guido eine kleine Übergangswohnung in Hamburg-Mitte. Zwei Zimmer, ein Bett, eine Küche. Er nennt es "mein erstes Zimmer seit drei Jahren, in dem ich alleine schlafen kann, ohne Angst zu haben".

Den Kontakt zu Lena gibt es wieder — vorsichtig, mit Abstand. Sie hat ihm zu Weihnachten eine Nachricht geschickt. Er hat sie ausgedruckt und an die Wand gehängt.

„Ich will nicht Mitleid. Ich will, dass die Leute verstehen, wie schnell das geht."

Guido, 54 — Hamburg

Was Guido sich wünscht

Eine dauerhafte Wohnung

Die Übergangslösung läuft Ende 2025 aus

Leichte Arbeit

Schwere körperliche Arbeit geht nicht mehr — aber er will arbeiten

Den Kontakt zu Lena

Er baut ihn Schritt für Schritt wieder auf

Nicht vergessen werden

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