Geschichte · Buhoma · Uganda · Januar 2026
Irgendjemand muss kurz vorher etwas Lustiges gesagt haben. Denn als ich die Kamera hebe, posieren die beiden Jugendlichen auf dem Sandplatz vor dem Waisenhaus in Buhoma nicht nur – sie strahlen. Leuchtend rosa, leuchtendes Rot. Die eine steht aufrecht, die Arme leicht angewinkelt, der Blick direkt in die Linse. Die andere lacht. Dahinter: eine ganze Gruppe Kinder, die langsam näherkommen. Neugierig. Aufmerksam.
Die Faszination für die Kamera ist real und unmittelbar. Smartphones sind im Dorf Buhoma im Kanungu-Distrikt selten. Jugendliche besitzen sie so gut wie nie. Fotografiert zu werden ist deshalb kein alltäglicher Moment – es ist ein Ereignis. Wer auf dem Bildschirm sieht, wie er selbst aussieht, sieht sich vielleicht zum ersten Mal so klar wie in einem Spiegel. Im Waisenhaus von Nicholas gibt es keinen einzigen.
Das ist der Hintergrund dieses Fotos. Und es ist der Hintergrund dieses Berichts – aufgenommen während meines elften Reisetages im Januar 2026, GPS-Koordinaten 0,9616 ° N, 29,6109 ° E, automatisch gespeichert.
Von außen wirkt das Hauptgebäude größer als es ist. Ein solides Backsteinhaus mit Wellblechdach, umgeben von Bananenbäumen und dem roten Lateritboden, der in dieser Region Ugandas überall ist. Wer eintritt, stellt fest: Das Gebäude hat drei Zimmer. Es gibt Strom. Kein fließendes Wasser. Ein Anbau enthält einen Schlafraum und das Büro.
Das ist alles. Das ist das Zuhause von rund 50 Kindern.
Was das konkret bedeutet, wird klar, wenn man einen Tag auf dem Hof verbringt. Weil der Platz im Inneren nicht ausreicht, spielt sich das Leben draußen ab. Essen wird auf dem Innenhof ausgegeben. Hausaufgaben werden dort gemacht. Gespielt wird dort. Wenn es regnet, wartet man, oder man drängt sich in die Zimmer. Der Hof ist nicht Ausweichlösung – er ist der eigentliche Lebensraum.
„Das Waisenhaus sieht von außen größer aus als es ist. Ob Essen, Hausaufgaben oder Spielen – alles findet auf diesem Hof statt."
Mark Suer, Vor-Ort-Notiz, Januar 2026
Nicholas leitet die Einrichtung gemeinsam mit Media. Beide leben vor Ort, kennen jedes Kind beim Namen, kennen jede Geschichte. Das ist nicht selbstverständlich – in vielen Einrichtungen dieser Art sind Kinder Nummern in einem System. Hier sind sie Teil einer Gemeinschaft, die trotz aller Enge funktioniert, weil die Menschen, die sie führen, es wollen.
Das Büro von Nicholas ist ein kleiner Raum direkt am Waisenhaus. Ein Fenster. Motivierende Sprüche und Fotos an den Wänden. Ein Schreibtisch. Und irgendwo in diesem Raum die Spielsachen der Kinder – Bälle, kleine Figuren, was auch immer irgendwann gespendet oder mitgebracht wurde. Die Kinder kommen regelmäßig und fragen, ob sie etwas haben dürfen. Nicholas öffnet den Schrank.

Dieses Büro ist kein Symbolbild für Bescheidenheit. Es ist ein Arbeitsplatz, der tatsächlich reicht – für die Buchhaltung, die Gespräche mit Eltern und Behörden, die Organisation des Alltags. Nicholas wirkt hier nicht wie jemand, dem etwas fehlt. Er wirkt wie jemand, der genau weiß, was er tut und warum.
Ich habe während meines Besuchs im Januar 2026 die Essensvergabe beobachtet. Kinder und Betreuer stehen zusammen im Innenhof an der Küche. Auf dem Tisch: Bohnen und ein Kartoffelbrei. Einfach, nahrhaft, verlässlich. Im Hintergrund der Regenwassertank – die einzige Wasserquelle für Trinken und Waschen.
Dieser Tank ist zentral und er hat Grenzen. In der Trockenzeit kann er leer werden. Wenn das passiert, laufen die Kinder bis zu einem Kilometer zur nächsten Quelle. Das ist keine Ausnahme, die alle paar Jahre vorkommt – es ist Teil des jährlichen Rhythmus, auf den alle im Waisenhaus eingestellt sind.
Beim Blick ins Lebensmittellager wurde mir klar, wie knapp die Ressourcen wirklich sind. Ein kleiner Raum. Ein paar Jutesäcke. Das reicht für etwa eine Woche. Mehr ist fast nie da, weil mehr kaum je finanzierbar ist. Das bedeutet: Nicholas und Media wissen montags nicht sicher, ob sie freitags noch ausreichend essen haben.
An einem der Nachmittage im Januar kamen Kinder aus der unmittelbaren Nachbarschaft auf den Hof. Drei von ihnen blieben in einiger Entfernung stehen – zurückhaltend, nicht ängstlich, aber vorsichtig. Ihre Kleidung, ihr Auftreten: Zeichen, dass es ihnen nicht besser geht als den Kindern im Waisenhaus, vielleicht schlechter. Wir haben sie eingeladen, mit zu essen. Sie haben sich gesetzt.
Das ist kein außergewöhnlicher Moment für das Waisenhaus. Es ist Teil der Haltung, die Nicholas und das Team dort verkörpern: Die Grenze zwischen denen, die im Haus leben, und denen, die draußen wohnen, ist durchlässig. Wer Hunger hat, kommt. Wer Hunger hat, bekommt etwas.
Wer verstehen will, wie das Waisenhaus in Buhoma wirklich funktioniert, muss nicht das Gebäude anschauen. Er muss den Hof beobachten. Denn dort entscheidet sich alles.
Auf diesem Sandplatz treffen sich Kinder verschiedenen Alters, mit unterschiedlichen Geschichten, in einer einzigen Situation: zusammen. Es gibt keine Aufteilung nach Altersgruppen wie in deutschen Einrichtungen, keine klar abgegrenzten Bereiche. Die Großen passen auf die Kleinen auf. Die Kleinen folgen den Großen. Das geschieht nicht weil es so steht, sondern weil es so gelebt wird.
Ich habe mit Kindern gespielt. Wer eine Kamera dabeihat, merkt schnell: Der Wunsch, fotografiert zu werden, ist groß. Noch größer ist die Freude, das eigene Bild zu sehen. Im Waisenhaus gibt es keinen Spiegel. Das Smartphone ist das erste Mal, dass viele Kinder sich selbst wirklich sehen – bewegt, lachend, in Aktion. Die Reaktion ist jedes Mal die gleiche: Lachen, dann Staunen, dann das Verlangen, es sofort nochmal zu machen.
„Im Waisenhaus habe ich mit Kindern gespielt, diese wollen ja immer Fotos und Videos machen. Es gibt ja nicht mal einen Spiegel im Waisenhaus – die Kinder haben dabei eine große Freude."
Mark Suer, Vor-Ort-Notiz, Januar 2026
Das klingt klein. Es ist es nicht. Das Bild von sich selbst zu haben – nicht als Opfer, nicht als Empfänger von Hilfe, sondern als Jugendliche, die selbstbewusst vor einer Kamera stehen und zeigen, wer sie sind – das ist etwas, das bleibt. Vielleicht länger als jede Sachmittelspende.
Am 18. Januar 2026 spielten die Mädchen des Waisenhauses ein Netball-Match gegen eine Auswahl aus der Dorfgemeinschaft. Grüner Rasen, offener Himmel, Trikots in kräftigen Farben.
Netball ist in Uganda mehr als ein Schulsport. Es ist eine Aktivität, die soziale Grenzen überschreitet – zwischen Waisenhaus und Dorf, zwischen Jahrgängen, zwischen denen, die regelmäßig essen, und denen, die das nicht tun. Auf dem Spielfeld zählt keins dieser Dinge. Was zählt, ist das Spiel.

Die Mädchen aus dem Waisenhaus spielten konzentriert und mit sichtbarem Ehrgeiz. Nicht weil jemand sie dazu aufgefordert hatte. Weil sie es wollten.
Hope on the Road, gegründet von Mark Suer und Susanne Suer aus Hamburg, ist seit Oktober 2024 dauerhaft mit dem Waisenhaus von Nicholas verbunden. Seitdem fanden zahlreiche Besuche statt: Oktober 2024 (13 Tage), Januar 2026 (11 Tage), April 2026, Mai 2026 (10 Tage), mehrfach im Juni 2026. Insgesamt mehr als 62 dokumentierte Tage vor Ort – nicht für Fototermine, sondern für echte Präsenz.
Was bedeutet das konkret? Es bedeutet, dass die Gründer sehen, wenn der Lebensmittelvorrat für drei Tage reicht. Dass sie dabei sind, wenn ein Kind krank wird. Dass sie Nicholas fragen können: Was brauchst du wirklich? Und dass Nicholas diese Frage ehrlich beantworten kann, weil er weiß, dass dahinter keine PR-Absicht steckt, sondern echtes Interesse.
Das Finanzierungsmodell dahinter ist transparent: Über den HopeClub können Unterstützer ab 5 Euro monatlich beitragen – kündbar, steuerlich absetzbar, 100 Prozent direkt. Das HopeFamily-Patenschaftsprogramm verbindet einzelne Spender langfristig mit einem konkreten Kind.
Die geplante HopeKitchen, deren Rohbau seit April 2026 in Buhoma entsteht, ist das nächste Kapitel. Wenn sie fertig ist, werden täglich bis zu 120 Kinder eine warme Mahlzeit bekommen – die Kinder aus dem Waisenhaus, und die aus der Nachbarschaft, die sich manchmal vorsichtig auf den Hof stellen und warten, ob sie eingeladen werden.
Waisenhaus Buhoma – auf einen Blick
| Standort | Buhoma, Kanungu-Distrikt, Uganda |
| GPS | 0,9616 ° N, 29,6109 ° E |
| Leitung | Nicholas und Media |
| Kinder | ca. 50 (Stand Juni 2026) |
| Gebäude | Haupthaus (3 Zimmer, Strom, kein Wasser) + Anbau |
| Wasserversorgung | Regenwassertank; bei Knappheit bis 1 km zur Quelle |
| Mahlzeiten | Bohnen und Kartoffelbrei; Vorrat reicht ca. 1 Woche |
| Träger | Hope on the Road, Hamburg (Unterstützung seit Okt. 2024) |
| Vor-Ort-Besuche | Mark Suer: 11 Tage Jan. 2026, weitere Besuche bis Juni 2026 |
| Fotos | Mark Suer (Januar / Juni 2026, GPS-verifiziert) |
Ich habe in meiner Zeit in Buhoma viele Orte gesehen, die eindrucksvoller sind als ein Sandplatz vor einem dreiräumigen Backsteinhaus. Den Bwindi Impenetrable National Park. Den Blick von der HopeKitchen-Baustelle über das Tal. Den Sonnenuntergang hinter den Hügeln des Kanungu-Distrikts.
Trotzdem ist dieser Hof einer der Orte, an die ich immer wieder denke. Nicht wegen der Umgebung. Wegen der Menschen, die dort leben. Wegen der Mädchen, die in leuchtend bunten Trikots Netball spielen und dabei so aussehen, als ob dieser Moment zählt – weil er es tut. Wegen des Jungen, der ruhig in der Türöffnung steht und alles beobachtet. Wegen der Kinder, die ein Foto sehen und lachen, weil sie sich selbst erkennen.
Lebensfreude lässt sich nicht kaufen, importieren oder in Berichten darstellen. Sie lässt sich nur bezeugen. Und manchmal – wenn man lange genug stillhält und die Kamera nur dann hebt, wenn der Moment es verlangt – darf man sie festhalten.
Diese Fotos sind alle im Januar oder Juni 2026 entstanden, persönlich von Mark Suer auf dem Gelände des Waisenhauses in Buhoma aufgenommen. Keine Stockfotos, keine Inszenierungen, keine nachträglich gestellten Szenen.
Häufige Fragen
Das Waisenhaus in Buhoma, das von Nicholas und Media geführt und von Hope on the Road unterstützt wird, beherbergt aktuell rund 50 Kinder (Stand Juni 2026). Das Hauptgebäude hat drei Zimmer sowie Strom, aber kein fließendes Wasser. Der Alltag – Essen, Hausaufgaben, Spielen – findet auf dem Innenhof statt.
Das Waisenhaus verfügt über einen Regenwassertank als Hauptwasserquelle. In der Trockenzeit kann er leer werden – dann laufen die Kinder bis zu einen Kilometer zur nächsten Wasserquelle. Die HopeKitchen, die Hope on the Road seit April 2026 baut, soll die Versorgungslage dauerhaft verbessern. HopeKitchen
Die täglichen Mahlzeiten bestehen hauptsächlich aus Bohnen und einem Kartoffelbrei. Das Waisenhaus wirtschaftet grundsätzlich nur mit Lebensmitteln für etwa eine Woche im Voraus. Die geplante HopeKitchen soll die Versorgung auf bis zu 120 Kinder täglich ausweiten.
Das Waisenhaus wird von Nicholas und Media in Buhoma geleitet. Hope on the Road unterstützt es mit regelmäßiger Vor-Ort-Präsenz und dem HopeFamily-Patenschaftsprogramm. Über den HopeClub kann man ab 5 Euro monatlich helfen – 100 Prozent der Mittel fließen direkt in die Projekte.
Über das HopeFamily-Programm übernehmen Paten langfristige Verantwortung für ein konkretes Kind im Waisenhaus – gesicherte Mahlzeiten, Schulbesuch, medizinische Grundversorgung. Die Gründer sind persönlich erreichbar und berichten direkt vom Fortschritt.
Jetzt mithelfen
Kinder brauchen keine Überraschungen. Der HopeClub macht kontinuierliche Unterstützung möglich – jeden Monat, direkt vor Ort.