Die kurze Antwort
Der Wohnungsmarkt funktioniert nach Angebot und Nachfrage — und in deutschen Großstädten ist bezahlbarer Wohnraum seit Jahren knapp, während die Mieten steigen. Menschen mit wenig Einkommen finden dadurch kaum noch eine Wohnung, und wer einmal seine Wohnung verliert, hat es besonders schwer, wieder eine zu bekommen. Der Wohnungsmarkt ist damit kein Nebenschauplatz, sondern einer der zentralen Gründe, warum Obdachlosigkeit in Deutschland zunimmt.
Warum ist das so?
Bis in die 1990er Jahre gab es in Deutschland einen großen Bestand an Sozialwohnungen, der als Auffangbecken für Menschen mit kleinem Einkommen diente. Dieser Bestand ist seither massiv geschrumpft, während gleichzeitig die Mieten in Großstädten stark gestiegen sind. Wer auf staatliche Leistungen angewiesen ist oder wenig verdient, konkurriert auf dem freien Markt mit vielen anderen um immer weniger passende Angebote — und verliert diese Konkurrenz häufig.
Das trifft wohnungslose Menschen besonders hart. Sie stehen bei der Vergabe freier Wohnungen meist ganz am Ende der Warteschlange, weil Vermieter bei der Auswahl oft auf sichere Einkommensnachweise, eine lückenlose Mietbiografie oder eine gute Bonität achten. Hinzu kommt Diskriminierung: Menschen ohne festen Wohnsitz oder mit Vorgeschichte auf der Straße werden bei Bewerbungen häufig aussortiert, unabhängig davon, ob sie sich die Miete leisten könnten. So verstärkt der Wohnungsmarkt genau das Problem, das er eigentlich lösen müsste — er schließt diejenigen aus, die eine Wohnung am dringendsten brauchen.
Wohnungsmarkt ohne Puffer
Ein knapper werdender Wohnungsmarkt bedeutet: Es gibt schlicht zu wenig bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit kleinem Einkommen. Fällt zusätzlich Einkommen weg, etwa durch Jobverlust oder Krankheit, reicht das oft schon aus, um die eigene Wohnung zu verlieren — und eine neue zu finden, wird dann ungleich schwerer.
Wenn der Zugang verwehrt bleibt
Wohnungslose Menschen erhalten bei der Vermietung freier Wohnungen meist zuletzt eine Zusage. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ist dabei ein zusätzliches Hindernis, das den Weg zurück in eine eigene Wohnung erschwert — selbst wenn die finanziellen Voraussetzungen eigentlich stimmen. Kommunen sind laut deutschem Recht verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Menschen zumindest eine Notunterkunft anzubieten, das ersetzt aber keine reguläre Wohnung.
- Der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland ist seit den 1990er Jahren massiv zurückgegangen, während die Mieten in Großstädten stark gestiegen sind.
- Wohnungslose Menschen sind beim Zugang zum Wohnungsmarkt üblicherweise die letzten, denen eine freie Wohnung vermietet wird.
- Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Personen eine Notunterkunft anzubieten.
Kurz erklärt
Zum Hintergrund
Der Bestand an Sozialwohnungen in Deutschland ist seit den 1990er Jahren massiv zurückgegangen, während die Mieten in Großstädten stark gestiegen sind.
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Häufige Fragen
Reicht ein geregeltes Einkommen, um wieder eine Wohnung zu finden?
Nicht immer. Auch bei ausreichendem Einkommen werden wohnungslose Menschen bei der Vergabe häufig übergangen, weil Vermieter auf lückenlose Mietbiografien oder Diskriminierung eine Rolle spielt.
Was können Betroffene tun, wenn sie akut keine Unterkunft haben?
Kommunen sind verpflichtet, unfreiwillig obdachlosen Menschen eine Notunterkunft anzubieten. Details zu Rechten und Alltag in Notunterkünften erklärt eine eigene Seite.
